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Interviews

Der Weg zu neuem Arbeitsglück: Carmen Fries von feelgood@office im Interview

Im Gespräch: Orlando Policicchio und Carmen Fries

Carmen Fries ist Management Assistentin und lebt seit 2012 in Bern. Sie ist auch Gründerin von feelgood@office®. Bekannt ist sie als die Erste Digitale Feelgood Managerin und Gründungsmitglied des Berufsverbands Feel Good Management (BFGM) e.V. (berufsverband-fgm.com). Wir freuen uns, Carmen Fries zu diesem Interview begrüßen zu dürfen und mehr über sie und das Thema Feelgood Management (FGM) zu erfahren.

Orlando Policicchio:
Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Gerne würden unsere Leser mehr über dich erfahren. Was machst du denn genau?

Carmen Fries:
Lieber Orlando, ich danke dir. Ich bin vor allem Feelgood Managerin und als solche fördere ich eine werteorientierte Kultur in Unternehmen, die ihre MitarbeiterInnen als Unternehmenswert sehen.

Dass ich auch eine Organisationsentwicklerin bin und UnternehmerInnen helfe, signifikant ihre Kosten zu senken, nehme ich – wenn sich der feelgood@office Faktor aller spürbar erhöht – mit einem Augenzwinkern zur Kenntnis.

digital-woman-feelgood-at-officeIm Juni 2014 startete ich meine Ausbildung zur zertifizierten Feelgood Managerin. Während der 16 Monate Lernzeit, in denen ich 17´000 Reisekilometer zwischen Bern und Bremen zurücklegte, bestätigte sich mein Entschluss.

Seit Februar 2015 arbeite ich nebenberuflich für feelgood@office®, im Oktober ging www.feelgood-at-office.com online.

feelgood@office® ist eine Online-Plattform für Feelgood Management und bietet neben einer wertschätzenden Community und einem Blog die 1. Jobbörse nur für Feelgood Managerinnen. Im Aufbau ist eine Online-Academy, in der sich Feelgood Managerinnen auf die Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 vorbereiten können.

Orlando Policicchio:
Das Thema Feelgood Management ist zur Zeit stark in den Medien präsent. Größtenteils wurde positiv berichtet. Das eine oder andere Mal wurde das FGM aber etwas vereinfacht dargestellt bzw. belächelt. Ich denke da an Massagen etc… Dabei ist Feelgood Management ein wichtiges Thema und bietet Unternehmen und Mitarbeitern viele Vorteile. Woher kommt die eher “belächelnde” Einstellung mancher Artikel?

Carmen Fries:
Ich denke, die “belächelnden” Artikel basieren auf dem Bild, das sich der bzw. die jeweilige Autor(in) bisher vom Feelgood Management machen konnte. Ich freue mich über jede sachlich-positive Berichterstattung und über Kritik, wenn sie wertschätzend ist.

Jeder interpretiert Feelgood Management für sich passend und das ist gut so. Ich beobachte den Markt seit einiger Zeit und habe in meiner Veröffentlichung “Glücklichere Assistentinnen fördern Unternehmensgewinne” erwähnt, dass es aus meiner Sicht Junior und Senior Feelgood ManagerInnen gibt.

Bisher wurde hauptsächlich über Junior Positionen berichtet, die ich vor allen Dingen bei jüngeren Frauen im Umfeld von Internetagenturen sehe. Eine im Sommer 2015 von Hyundai Capital Europe ausgeschriebene Feelgood ManagerIn Stelle stufe ich als Senior-Position ein, die einiges an (Lebens-)Erfahrung voraussetzt.

Orlando Policicchio:
In den USA gibt es schon seit längerem FGM-ähnliche Berufsbilder in der HR Landschaft. Da fällt mir Culture-, Retention-, Wellbeing-Management, etc.. ein. Ist das FGM neu oder eine Weiterentwicklung bzw. eine Kombination dieser Berufe?

Carmen Fries:
Ich habe in 2010 als Management & Marketing Communications Assistant einige Wochen in San Diego, Kalifornien, gearbeitet. Das Unternehmen habe ich als inspirierend wahrgenommen – ein Arbeitgeber, der viel für seine MitarbeiterInnen tut.

Feelgood Management ist ein Begriff, der in Deutschland geprägt wurde. Letztlich zielen alle Ansätze, auch die von dir genannten, auf eines ab: gutes Arbeiten und Wohlfühlen im Job und Privatleben fördern.

Orlando Policicchio:
Gibt es schon Studien bzw. Success Stories, die zeigen, wie sich FGM in den Unternehmen auswirkt?

Carmen Fries:
Wissenschaftliche Texte und Studien zu Feelgood Management sind noch rar. Ich sehe einige vielversprechende Bachelorarbeiten zu diesem Thema entstehen.

Meine Veröffentlichung mit Dr. Oliver Haas von Corporate Happiness® “Glücklichere Assistentinnen fördern Unternehmensgewinne” erschien am 10. Dezember 2015 in der Schweizer Fachzeitschrift für Office Managerinnen und Assistentinnen “Miss Moneypenny”.

Ich denke, dass CompanyMood UG mit dem Online-Tool zur Messung von Mitarbeiterzufriedenheit eine ideale Grundlage liefert, um mit Studien nachzuweisen, wie Feelgood Management in Unternehmen wirkt.

Success Stories lese ich jeden Tag in der feelgood@office® Community, das fühlt sich gut an.

Orlando Policicchio:
Wie werde ich denn Feelgood ManagerIn? An wen muss ich mich wenden, wie lange dauert eine Ausbildung?

Carmen Fries:
Es gibt mittlerweile einige Anbieter. Persönlich kenne ich das Institut für Wertekultur in der Wirtschaft (Bremen) und GOODplace® (Hamburg).

Die Ausbildung in Bremen umfasst 10 Module und kann mittlerweile innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden. In Hamburg gibt es 4 Module, die für den Abschluss als Feelgood Managerin erfolgreich absolviert werden müssen – auch das ist im Laufe eines Jahres bzw. als Kombiangebot möglich.

feelgood@office® wird ab 2017 die Möglichkeit bieten, sich online zur Feelgood Managerin weiterzubilden.


Orlando Policicchio:

Welche Perspektiven haben Feelgood Managerinnen auf dem Arbeitsmarkt? Bekomme ich als Feelgood Managerin einen Job und wie erreiche ich die Firmen, die FGM einstellen möchten?

Carmen Fries:
Die Jobangebote haben seit meinen ersten Berührungspunkten mit dem Job zugenommen. Mein Highlight war, als ich das erste Feelgood ManagerIn Jobangebot auf monster.de sah. GOODplace® ist eine gute Adresse, um die aktuellen Jobs zu finden, sie publizieren Feelgood Manager Stellenanzeigen.

Finde deine Feelgood Managerin!” auf www.feelgood-at-office.com ist die erste Jobbörse nur für Feelgood Managerinnen. Feelgood Managerinnen können sich bei uns kostenlos listen lassen. Auch geeignete Unternehmen, die sich als ArbeitgeberIn für Feelgood Managerinnen präsentieren möchten, können uns eine Listungsanfrage schicken.

Orlando Policicchio:
Wenn ich ein Unternehmen wäre, wie müsste ich mir den Beginn deiner Arbeit in meiner Firma vorstellen. Welche Aufgaben gehst du als erstes an?

Carmen Fries:
Ich schaue zuerst, was im Unternehmen schon gut läuft. Empathisch zuhören, die Wünsche der MitarbeiterInnen ernst nehmen – das ist schon die halbe Miete.

Je nach Größe des Unternehmens lohnt es sich, ein Team von Feelgood ManagerInnen aufzubauen, um Verbesserungen der Arbeitskultur systematisch zu begleiten. Das steigert den Grad der Partizipation im Unternehmen, der wichtig für erfolgreiche Veränderungsprozesse hin zu einer besseren Arbeitskultur ist.

Es macht Sinn, zunächst kleinere Veränderungen anzugehen, die schnell eine Verbesserung herbei führen. Wenn die MitarbeiterInnen und Unternehmensführung dann an Bord sind, kann “die Operation am offenen Herzen”, die Erarbeitung eines Leitbilds, der Vision und den Werten erfolgen. Gibt es diese bereits, empfiehlt es sich, sie mit der heute gelebten Kultur im Unternehmen abzustimmen: “Sind wir noch auf dem aktuellen Stand oder wurde unser Leitbild eventuell schon vor Jahren von Personen, die nicht mehr im Unternehmen sind, erarbeitet?”

Orlando Policicchio:
Du wohnst ja in der Schweiz. Sind die Unternehmen in der Schweiz offen für Feelgood Management? Gibt es einen Unterschied zu Deutschland oder Österreich?

Carmen Fries:
Ich lebe jetzt seit 3,5 Jahre in Bern und arbeite seitdem durchgehend in einem Unternehmen. Ich spüre eine familiäre Atmosphäre in einem 70 Jahre lang inhabergeführten, mittelständischen Handelsunternehmen, das 2011 an einen der größten Arbeitgeber der Schweiz verkauft wurde.

Es ist dem Unternehmen gelungen, diesen Spirit beizubehalten. Das merke ich beispielsweise an den Dienstjubliäen – 40 Jahre Firmenzugehörigkeit kommen häufiger vor. Generell erlebe ich die Schweizer als konsensorientiert und gleichzeitig adressieren sie ihre Interessen wirkungsvoll. Aktuell haben wir im Führungsteam eine echte DACH-Konstellation.

Vor kurzem hörte ich noch von einem Unternehmen in Österreich, das schon seit Jahren Feelgood Management lebt, ohne den Namen dafür zu verwenden.

Wie schön, dass “das Kind nun einen Namen hat” und wir – unterstützt durch die strukturellen Veränderungen in der Arbeitswelt – eine realistische Chance haben, das “Gute Arbeiten” breitflächig zu implementieren.

Orlando Policicchio:
Wie stellst du dir optimalerweise die Zukunft der Arbeit vor?

Carmen Fries:
Wir gehen aktuell dem sechsten Kondratieff Zyklus, dem Zeitalter der psychosozialen Gesundheit entgegen. Wohlfühlen am Arbeitsplatz wird selbstverständlich und Voraussetzung, damit Unternehmen auf dem sich wandelnden Arbeitnehmermarkt bestehen.

Dieser Wandel und die Digitalisierung bringen mit sich, dass Unternehmen immer mehr in Echtzeit mit mehreren Anspruchsgruppen (Kunden, Mitarbeiter, Fans, Follower, Partner, Lieferanten) im Dialog stehen. Gleichzeitig müssen sie sich immer wieder neu erfinden und ihre Anspruchsgruppen überraschen.

Heute beantworten noch rund 50% der Unternehmen Anfragen ihrer Interessenten auf den Social Media Plattformen nicht (Quelle: Der Social Media Manager). Wer diese Lücken nicht zu schließen weiß, wird als Arbeitgeber und Unternehmer in Zukunft vom Markt verschwinden.

ArbeitnehmerInnen wird es in Zukunft immer mehr möglich sein, ihr Leben nach ihren Wünschen zu gestalten – die Arbeit wird sich ihren individuellen Lebensmodellen anpassen.

Die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben werden fließender, der Begriff Work-Life-Balance durch Work-Life-Blending (Vermischung) abgelöst.

Orlando Policicchio:
Carmen, ich danke dir vielmals für dieses interessante Interview und bin mir sicher, auch unsere Leser freuen sich über die vielen Infos zu Feelgood Management und deiner Person. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen Vorhaben und hoffe, dass alle deine Wünsche in Erfüllung gehen.

Fotos:
Carmen Fries – Porträtbild
Cyborg Woman – Humanoid, Quelle: fotolia, Datei: #89926286 | Urheber: akarb

Orlando Policicchio

Online Marketer & Gründer, politisch, musikalisch... meist gut gelaunt ;)

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