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Interviews

Digitaler Mentalcoach für ein gesteigertes Wohlbefinden: Robin Maier von Mindance im Interview

Robin Maier ist einer von drei Gründern und CEO des Startups Mindance. Seit April 2017 ist er mit seinen Kollegen in Leipzig im Bereich e-Health unterwegs. Seither setzt das vierköpfige Team auf die neuesten Erkenntnisse der Psychologie und Hirnforschung, gepaart mit innovativen Technologien und unternehmerischer Expertise, um per App die psychische Gesundheit und mentale Fitness in Unternehmen zu verbessern.

Was genau Mindance macht, erzählt uns Robin. Wir freuen uns, ihn zu diesem Interview begrüßen zu dürfen und mehr über das Thema Mentalcoaching zu erfahren.

Stephanie:
Robin, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, um uns und den Lesern euer Startup „Mindance“ vorzustellen. Was macht Mindance und welche Idee steckt dahinter?

Robin:
Mit Mindance bieten wir Unternehmen wie beispielsweise BOSCH Powertools und der AOK Plus eine einfache und innovative Lösung, um die psychische Gesundheit und mentale Fitness der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verbessern. Viele Menschen sind dem steigenden Druck und Dauerstress nicht mehr gewachsen und werden krank. Burn-Out, Depressionen, Angststörungen und andere stressbedingte Erkrankungen, wie Rückenschmerzen, verursachen individuelles Leid und immense Kosten für Unternehmen. Wir machen uns die neuesten Erkenntnisse der Psychologie zu Nutzen und beugen diesem Risiko durch zielorientiertes Mentaltraining vor und fördern außerdem wichtige Kompetenzen wie Konzentration und Kooperationsfähigkeit. Über unsere intuitive und intelligente App erhält jede Person ein auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittenes Trainingsprogramm und hilfreiche Tipps und Tricks, um auch an stressigen Arbeitstagen einen kühlen Kopf zu bewahren. Das audiogeführte Training umfasst Techniken aus der Achtsamkeitsmeditation, klassische Entspannungstechniken und einige Übungen aus der Sportpsychologie. Man hat also seinen persönlichen Mentalcoach immer dabei und kann sich unabhängig von Ort und Zeit durch verschiedene Übungen führen lassen.

Stephanie:
Soll Mindance ausschließlich von Firmen genutzt werden oder können auch Privatpersonen die App nutzen?

Robin:
Wir freuen uns sehr darauf, dass ab Ende des Jahres auch Privatpersonen die Möglichkeit haben werden, unsere App zu nutzen und dadurch die Erholung über die Feiertage möglichst lange mit ins neue Jahr zu nehmen. Parallel dazu geht auch unser Dashboard für unsere Geschäftskunden online.

„….in einer Studie mit einer der größten deutschen Krankenversicherungen konnten wir zeigen, dass sich das Wohlbefinden der Teilnehmenden bereits nach acht Wochen signifikant gesteigert und das Stressempfinden sich signifikant reduziert hat“

Robin Maier, Mindance

Stephanie:
Durch die Nutzung von Mindance und die angebotenen Audioübungen können die Nutzer bereits innerhalb weniger Wochen die ersten positiven Effekte erzielen. Wie kann man diese potentiellen Veränderungen messen? Bietet eure App eine Änderungsmessung bzw. ein Change Management?

Robin:
Genau, in einer Studie mit einer der größten deutschen Krankenversicherungen konnten wir zeigen, dass sich das Wohlbefinden der Teilnehmenden bereits nach acht Wochen signifikant gesteigert und das Stressempfinden sich signifikant reduziert hat. Gemessen wurden diese Effekte über psychologische Fragebögen. Wir arbeiten gerade an der App-Integration unseres Mental Health Scores, einem Fragebogen zur Erfassung der psychischen Gesundheit. Einerseits um unseren Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit zu geben Ihren Trainingserfolg zu tracken, andererseits als Ergänzung für das betriebliche Gesundheitsmanagement in Unternehmen, um nachhaltig die psychische Gesundheit Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern.

Stephanie:
Wie einprägsam sind die sog. Job-Minis, sodass die Nutzer diese automatisch, also auch ohne Smartphone in der Hand anwenden können?

Robin:
Unabhängig von den Job-Minis ist es so, dass unsere App eine Hilfe zur Selbsthilfe ist, d. h. alle Techniken, die erlernt werden, eignen sich dazu, konstruktiver mit Gefühlen umzugehen – die Mitarbeiter werden also befähigt, das Gelernte in ihren Alltag anzuwenden und so Gefühle, auch ohne App, positiv zu beeinflussen. Dafür benötigt man aber genug Übung. Gerade in stressigen Situationen hilft die Anleitung übers Ohr enorm. Ich habe mittlerweile mehr als zehn Jahre Erfahrung mit Mentaltraining und Meditation, trotzdem nutze ich insbesondere die Job-Minis, beispielsweise um mich vor einer wichtigen Präsentation zu beruhigen oder mich auf ein schwieriges Gespräch vorzubereiten.

Stephanie:
Gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, wie lange man sich mit dem individuellen Training beschäftigen sollte?

Robin:
In den Jahren ist eine ganze Welle von Studien, insbesondere zum Thema Achtsamkeit, veröffentlicht worden. Achtsamkeit reduziert Stress, erhöht das Wohlbefinden, senkt den Blutdruck und und und. Diesem Hype sollte man mit einer gesunden Skepsis begegnen, da viele der Studien bzgl. Teilnehmerzahl und anderen Facetten nicht besonders hochwertig sind. Man sollte auch davon ausgehen, dass nicht jede Person einen Nutzen aus der Achtsamkeitsmeditation zieht. Deshalb haben wir auch eine deutlich größere Bandbreite an Techniken, wie z. B. die Progressive Muskelentspannung oder das autogene Training, im Vergleich zu Meditationsapps. Ganz klar ist es so, dass die momentane Wissenschaft darauf hindeutet, dass mentales Training einen positiven Einfluss auf unseren Geist und Gehirn hat. Wie lange dafür trainiert werden muss variiert von Studie zu Studie. Und in fünf Jahren kann die Befundlage in der Wissenschaft auch wieder ganz anders aussehen. Wir wissen nicht, wie sich die Dinge entwickeln. In der momentanen Diskussion habe ich das Gefühl, dass zwei Extreme aufeinander treffen: Wissenschaftlicher Reduktionismus auf der einen Seite und religiöse Anhänger, die Angst haben, dass z. B. durch eine verweltlichte Achtsamkeitspraxis die heilige Lehre verfälscht wird. Auch wenn die Wissenschaft die Grundlage unserer Techniken ist, sollte in unseren Augen in der ganzen Diskussion die konkrete Erfahrung bei der Praxis einen viel zentraleren Stellenwert einnehmen. „Wie fühlt es sich an, wenn ich mich auf meine Atmung konzentriere? Was hat es für eine Wirkung auf mich, wenn ich meine Muskeln an- und wieder entspanne? Wie gefällt es mir, wenn ich versuche meine Gedanken als mentale Ereignisse zu beobachten? Was für Auswirkungen hat es auf meinen Tag?“ Das sind die wirklichen Fragen, die uns interessieren und nicht, was in einem Hirnscanner passiert oder was die Religion dazu sagt.

Stephanie:
Ihr schreibt in eurem Blog, dass situative Übungen den Nutzern z. B. bei Einschlafproblemen helfen sollen. Wie sinnvoll ist das im Sinne der Konzentration und Ablenkbarkeit, in solchen Momenten/Situationen das Smartphone in der Hand zu haben?

Robin:
Wie bereits erwähnt, dienen alle Inhalte unserer App als Hilfe zur Selbsthilfe. Auch die Einschlafübungen können gelernt und selbst angewandt werden. Allerdings hilft es auch hier wieder, in schwierigen Situationen, beispielsweise in stressigen Phasen, in denen es enorm schwierig wird, das Gedankenkarusell abends abzuschalten, Unterstützung zu bekommen. Das Schöne an unserem digitalen Mentalcoach ist, dass er unabhängig von Ort und Zeit zur Verfügung steht und gerade in solchen Situationen wertvolle Unterstützung bieten kann. Gerade die Anweisung übers Ohr ermöglicht hier eine hohe Konzentration, da ich das Smartphone aus der Hand legen kann und mich voll und ganz auf mich und die Übung fokussieren kann.

Stephanie:
Der Kunde hat sich dazu entschieden, mit Mindance zu starten. Was muss er als nächstes tun?

Robin:
Uns ist bewusst, dass das Thema Gesundheit und damit auch das Thema psychische Gesundheit in vielen Unternehmen noch nicht zu den Top Prioritäten zählt. Daher ist es unser Ziel, unsere Lösung so einfach wie möglich einer Vielzahl von Mitarbeitern zugänglich zu machen. Im ersten Schritt definieren wir mit unseren Kunden die Kommunikationskanäle, über die wir auf das Angebot aufmerksam machen wollen. Im Anschluss arbeiten wir eine auf den Kunden zugeschnittene Kommunikationsstrategie aus, inkl. aller offline und online Materialien. Lediglich bei der Umsetzung benötigen wir dann meist noch etwas Unterstützung, aber auch hier ist der Aufwand für unsere Kunden so gering wie möglich.

Stephanie:
Wo seht ihr euch in drei Jahren?

Robin:
Das Thema psychische Gesundheit wird in Zukunft den gleichen Stellenwert wie körperliche Fitness haben. Wir möchten das Thema als innovatives Startup im Bereich e-mental-health aktiv mitgestalten und uns als Experten mit Fokus auf psychische Gesundheit am Arbeitsplatz positionieren. Auf Produktseite werden wir ab 2019 verstärkt auf künstliche Intelligenz setzen, um jeder Person die bestmöglichen Übungen zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig unseren Geschäftskunden die Implementierung von Mindance so einfach wie möglich gestalten.

Stephanie:
Robin, ich danke dir für dieses aufschlussreiche und sehr interessante Interview. Ich bin mir sicher, auch unsere Leser freuen sich über die vielen Informationen zu Mindance. Wir wünschen euch weiterhin ganz viel Erfolg.

Im Interview waren Stephanie von CompanyMood und Robin von Mindance

 

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